Donnerstag, 25. Oktober 2012

chronischLEBEN Service
Gegen Grippe impfen - auch nach den Impfstoff-Schlampereien?
Nutzen und Risiken abwägen - Panik-Gurus ignorieren

Nachdem einige Impfstoffe des Schweizer Pharmakonzerns Novartis vom Markt genommen werden mussten, weil sie möglicherweise Nebenwirkungen bis hin zum tödlichen anaphylaktischen Stoff auslösen können, stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch eine Grippeschutz-Impfung, die sicher ist? - und: Ist eine Grippechutzimpfung überhaupt unbedingt sinnvoll? Und - wenn ja: Für wen?

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist nicht so einfach. Pharmakonzerne wie die Firma Novartis, die jetzt dabei erwischt wurde wie sie möglicherweise gefährliche Impfstoffe unters Volk bringt, behaupten sogar jetzt noch, dass ihre Präparate absolut sicher und unbedenklich seien. Als glaubwürdige Informationsquelle taugen die Produzenten der Ware daher wohl eher weniger: Für die Wirtschaftsunternehmen stehen  Monster-Umätze und Traumhafte Gewinne auf dem Spiel.

Die Kontrollbehörden -  in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut - haben heute vor den Kameras der Medien zwar offen das Offensichtliche, nicht mehr zu Leugnende zugegeben: Die aktuelle Gefahr, die von den beanstandeten Impfstoffen kurz nach der Injektion ausgeht. Dieselben Behörden bestreiten aber energisch und pauschal jede Möglichkeit von Spätfolgen - ohne sagen zu können, warum. Gestern hätten diese Behörden wahrscheinlich noch Stein und Bein geschworen, dass Begripal und Fluad absolut "saubere" Impfstoffe seien. Dabei waren die verdächtigen Ausflockungen bereits seit Juli bekannt.

   Keine glaubwürdigen Informationen von der Industrie und den Behörden   

chronischLEBEN empfiehlt: Wer auf der Suche nach seriösen Informationsquellen für eine sichere Grippeschutz-Impfung ist, sollte besser eine großen Bogen um die Produzenten jeglicher Präparate machen - und ebenso um die Behörden, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass wir den eingesetzten Impfstoffen Vertrauen können.

Zurzeit bleiben als vertrauenswürdige Informanten in Sachen Grippschutzimpfung ausschließlich die Experten aus Medizin und Pharmakologie, die sich immer schon als kritische und ebenso sachkundige wie verantwortungsvolle Gesprächspartner erwiesen haben.

  Auf "klassische" Impfstoffe ohne Wirkstoffverstärker ausweichen   

Wer sich trotz des teilweisen Verkaufsstopps von Begripal- und Fluad-Chargen impfen lassen möchte, sollte auf andere Produkte ausweichen, empfiehlt zum Beispiel der Infektiologe Peter Walger. In Deutschland sind 16 verschiedene Impfstoffe gegen die saisonale Grippe im Winter 2012/13 zugelassen. "Die klassischen Impfstoffe sind alle gut verträglich", sagte Walger. Auch der Arzt und Parmakologe Wolfgang Becker-Brüser sieht die "Impfstoff-Zene" differenziert. Der Herausgeber und Chefredakteur des unabhängigen Informationsdienstes "arznei-telegramm" ist kein grundsätzlicher Impf-Gegner. Sein Tipp heute Abend in der ARD-Tagesschau: Auf der sicheren Seite, was mögliche Neben- und Spätwirkungen anbelangt, sind Patiten, die sich mit "klassischen" Impfstoffen impfen lassen Das sind Präparate, deren immunisierende Viren in bebrüteten Hühnereiern gezüchtet rüden. Wolfgang Beker-Brüserin der ARD: Sicher sind die "klassischen" Grippe-Impftoffe, deren Viren in bebrüteten Hühnereiern gezüchtet werden. Becker-Brüser warnt eindringlich vor Grippeimpfstoffen, denen Wirkstoffverstärker, sogenannte Adjuvantien, zugefügt wurden.das jetztvom Markt genommene Novartis-Präparat Fluad enthält solche Adjuvantien.

   Optaflu: Krebsverdacht nicht ausgeräumt   

Ausdrücklich warnen Kritiker wie Becker-Brüser auch vor dem Novartis-Grippeimstoff Optaflu, der in den USA bereits seit 2005 verboten ist. Optaflu wird in Deutschland bereits jetzt als Ersatz für Begripal und Fluad eingesetzt. Anders als die klassischen Impfstoffe aus bebrüteten Hühnereiern wird Optaflu aus Hunde-Tumorzellen entwickelt. Das Präparat Stettin Verdacht, möglicherweise krebserzeugend zu sein.

Widersprüchlich sind die Aussagen zur Notwendigkeit und Wirksamkeit derGrippeschutzimpfung. Begründet wird die angeblich fast zwingende Notwendigkeit, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, immer wieder mit angeblich drohenden Grippe-Epidemien - bis hin zu Pandemien.

   Grippe-Verlauf ist nicht vorhersehbar   

Glaubt man Unkenrufender Lobbyisten der Pharmaindustrie in Politik und Ärzteschaft, dann droht auch in diesem Jahr angeblich eine schwere Grippewelle. Der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, Peter Wutzler, zum Beispiel warnte kürzlich mal wieder vor einer harten Saison. Auf der Südhalbkugel, so wutzler düster, seien besonders viele Influenzatote gemeldet worden. Andere Experten halten das für die typische Panikmache - wie alljährlich zu Beginn der Impf-Saison.. "Jedes Jahr wird reflexartig vor einer schweren Grippewelle gewarnt", kritisiert Becker-Brüser. Wie hart die Saison tatsächlich werde, lasse sich gar nicht vorhersagen. Der Verlauf der Grippewelle auf der Südhalbkugel sei nur ein Anhaltspunkt. "Auf dem Weg von dort zu uns kann sich das Virus verändern", urteilt der Arzt und Apotheker. "Die Schwere und der Verlauf der Grippesaison ist nicht vorherzusagen", sagt auch eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). "Davon unabhängig ist für bestimmte Gruppen das Risiko für eine Erkrankung erhöht."

   Sinn der Impfung für immungeschwächte Menschen umstritten   

Die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeschutzimpfung in erster Linie älteren Menschen über 60 Jahre und chronisch Kranken, medizinischem Personal und Schwangeren. Damit sich der Schutz rechtzeitig vor Beginn der Influenzawelle aufbaut, gelten Oktober und November als die beste Zeit für die Impfung. Erfahrungsgemäß startet die Grippesaison aber frühestens im Dezember. Da es etwa zwei Wochen dauert, bis ein Schutz aufgebaut ist, reicht es daher auch noch, sich im November impfen zu lassen.

Wie sinnvoll die Impfung ist, ist aber umstritten. Einen hundertprozentigen Schutz bietet sie nicht. "Für bestimmte Risikogruppen ist auch nicht geklärt, ob sie tatsächlich einen Nutzen bringt", sagt Becker-Brüser. Bekannt ist etwa, dass das Immunsystem bei älteren Menschen schlechter auf die Impfung anspricht. Doch gerade dieser Gruppe empfiehlt die STIKO die Spritze.

   Informationen für Menschen ab einem Alter von 60   

Die STIKO weist darauf hin, dass das Immunsystem im Alter seine Stärke verliert; es könne Krankheitserreger nicht mehr so gut bekämpfen. Dies mache ältere Menschen besonders anfällig für Grippeviren.

Aber sogar  die STIKO weist in ihren Empfehlungen darauf hin, dass eine Impfung gerade bei geschwächtem Immunsystem keinen hundertprozentigen Schutz bietet. Wer typischen Symptome entwickelt - Fieber, Halsschmerzen, trockener Husten, heftige Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen - sollte sofort zum Arzt gehen. Informationen für chronisch Kranke

   Chroniker anfällig für Grippe-Viren - und Nebenwirkungen   

Chronische Erkrankungen wie Asthma, Diabetes, Multiple Sklerose, Parkinson oder eine HIV-Infektion belasten den Körper. Dies macht sich bei einer Grippeinfektion bemerkbar: Patienten haben ein besonders hohes Risiko für schwere oder sogar lebensbedrohliche Krankheitsverläufe. Vor allem, wenn durch die Vorerkrankung die Atemwege oder das Immunsystem beeinträchtigt sind.

Wer eine entsprechende Grundkrankheit hat, sollte nach Empfehlungen der STIKO ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden. Nach Möglichkeit sollten sich auch Angehörige und enge Kontaktpersonen von chronisch Kranken impfen lassen, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Impfung sollte am besten vor Beginn der Grippesaison im Oktober oder November erfolgen, da es etwa zwei Wochen dauert, bis der Körper seinen Schutz voll aufgebaut hat.

Zu den Erkrankungen, durch die ein höheres Risiko durch die saisonale Grippe besteht, zählen: Chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma), Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose und Parkinson, angeborene und erworbene Immundefekte, HIV-Infektionen. Die Betroffenen sollten die Impfung immer mit ihrem Arzt besprechen. Aber auch für chronisch Kranke gilt, dass für sie mögliche Nebenwirkungen von Grippeschutzimpfungen besonders gefährlich sein können. Au jeden Fall ist zu empfehlen, mit einem vertrauenswürdigen Arzt Nutzen und Risiken einer Impfung abzuwägen.

Für alle, die nicht sicher sind, ob sie sich gegen Grippe impfen lassen sollten oder nicht gelten zwei bewährte Grundsätze:

  • Glauben Sie auf keinen Fall den alle Jahre wieder verbreiteten Horror-Epidemie-Phantasien
  • Informieren Sie sich eher bei Kritikern, die keine fanatischen Impfgegner sind als bei beharrlich die Sicherheit beschwörenden nicht fanatischen, aber pharmakonzerngläubigen Pauschal-Befürwortern des "kleinen Pieks" 

Norbert Jos Maas

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