Donnerstag, 18. Oktober 2012

Neurologen-Geselschaft zeichnet ihren 2. Vorsitzenden
Dingebauer-Preis für Prof. Heinz Reichmann wegen "Forschungen zu Grundlagenwissenschaften und klinischen Aspekten der Parkinson-Krankheit"

Prof. Heinz Reichmann - Foto: TU Dresden
Für seine Forschung zur Parkinson-Krankheit zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie ihren 2. Voritzenden und früheren Vorsitzenden Prof. Heinz Reichmann, mit dem mit 25.000 € dotierten Dingebauer-Preis ausgezeichnet. Zweiter Preisträger ist Professor Andrew Lees aus London.

Die "Dr. Friedrich-Wilhelm und Dr. Isolde Dingebauer-Stiftung" verleiht den Preis alle zwei Jahre. Die Stiftung der im vergangenen Jahr verstorbene Dortmunder Ärztin Dr. Isolde Dingebauer erinnert mit dem ausgelobten Preis an Mann Isole Dingebauers, der 1999 in einer Parkinson-Klinik verstorben war.

Der diesjährige Preisträger Prof. Heinz Reichmann ist  Leiter der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Dresdener Universitätsklinikum, Davor arbeitete er in Konstanz, am Institute of Neurology der Columbia University in New York und als Professor für Neurologie an der Universität Würzburg.

Das Studium der Humanmedizin schloss Reichmann 1979 in Freiburg ab. Seine Arbeitsschwerpunkte sind neuromuskuläre Erkrankungen, extrapyramidale Bewegungsstörungen wie Parkinson, Neurosarkoidose sowie Störungen des Energiestoffwechsels in Gehirn und Muskel.

2005 wies er auf dem Welt-Parkinson-Kongreß in Berlin auf die Bedeutung von Riechstörungen als früher Hinweis auf eine Parkinon-Erkrankung hin: "Von hundert Parkinson-Patienten berichten achtzig über Riechstörungen. Bei zehn weiteren läßt sich eine Riechstörung durch Riechtests nachweisen", berichtete er damals.

Reichmann hatte beobachtet, dass Riechstörungen, insbesondere für Oregano und für Vanille, zu den allerfrühesten klinischen Indikatoren für die Erkrankung gehören. Reichmanns Rat im Jahr 2005: Solche Sinnesirrittionen sollten eine neurologische Untersuchung nach sich ziehen. Ebenfalls ein frühes Zeichen seien einseitige Schulter-Arm-Schmerzen am Morgen.

"Hier sollten Ärzte zumindest überprüfen, ob der entsprechende Arm beim Gehen noch mitschwingt", betonte Reichmann. Wenn nein, könne das ein deutlicher Hinweis auf einen Morbus Parkinson sein.

jos

chronischLEBEN Hintergrund:
Würdigung der Verdienste  oder Ringelreihen der Gefälligkeiten?

Anders als bei wirklich beutenden Auszeichnungen wie den Nobel-Preisen etwa wird bei Preisen wie dem der Dingebauer-Stiftung eher vernebelt, warum nun eigentlich der oder jene geehrt und mit Preisgeldern belohnt wird. So ist es auch mit dem Preisträger Heinz Reichmann. Die Dingebauer-Preis-Jury hält sich vornehm zurück mit ihrer Begründung.

Da ist nur pauschal die Rede davon, der Dresdener Klinik-Chef werde "für seine Forschungen zu Grundlagenwissenschaften und klinischen Aspekten der Parkinson-Krankheit" ausgezeichnet. Das ist reichlich dünn.

   Forschungs-Schnee von vorgestern aufgewärmt?   

chronischLEBEN hat recherchiert - und ist dabei lediglich auf die alles andere als epochale Berichterstattung Reichmanns über die hinlänglich bekannten möglichen Parkinson-Frühsymptomen "Riechstörung" und den nicht mitschwingenden Arm gestoßen. Und das war vor sieben Jahren. Forschungs-Schnee von vorgestern also.

Ansonsten ist die von Reichmann geleitete Dresdener Klinik nicht besser oder schlechter als andere Häuser. Preisverdächtig sind Haus und Chef nicht sonderlich.

Der Dingebauer-Preis befindet sich mit seinen Nebelschwaden übrigens in guter Nachbarschaft. Ein Blick in die Preisträger-Liste einer anderen Stiftung, die sich medienwirksam und fundraising-effektiv in Sachen Parkinson tummelt, lohnt sich: Die Florstädter "Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung" verleiht zum Beispiel ebenfalls alle zwei Jahre sogenannte "Forschungspreise". Die Preisträger, die bis zu 15.000 EURO kassierten, zeichnen sich - wie die der Dingebauer-Preise - nicht unbedingt durch bahnbrechende Forschungen aus.

   "Forschungs"preise für Steiner-Begeisterte und Rüttel-Professor   

Da wurde 2002 eine Susanne Schäfer ausgezeichnet, die sich wohlklingend gern "Suzie Mc Coy" nennt und keinerlei Berührungspunkte mit wissenschaftlicher Arbeit hatte und hat. Warum sie mit einem "Forschungspreis" ausgezeichnet wurde? So recht klar wurde das nie. Frau Schäfer ist wie gesagt keine Forscherin, dafür aber von den namenstanzenden Ideen des Antroposhen Rudolf Steiner begeistert.

10.000 Euro bekam der Sportwissenschaftler Christian Haas. Wofür? Er übertrug Trainingsmethoden für Hochleistungssportler auf die Therapie von Parkinonkranken, ließ ein Minigruppe von Parkinson-Patienten ein dubioses, gesundheitlich nicht unbedenkliches, weil Tromben fördernden Rüttelgerät ausprobieren, und nannte das Probetraining dann eine "wissenschaftliche Studie".

Und in diesem Jahr wurde der Neurologe Bastiaan Bloem aus Nijmegen mit dem Hilde-Ulrichs-Forschngspreis geehrt. Bloem hat sich eingehend mit der verbüffenden, aber seit Jhren bekannten Tatsache beschäftigt, dass Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS) oft in fortgeschrittenem Stadium zwar kaum noch gehen können, dafür aber problemlos Mit dem Fahrrad fahren - warum, das wissen weder Bloem nach seinen Forschungen noch wir radelnden Parkinson-Kranken so genau.

Das Rätsel um die Kriterien für Vergabe solcher Preise kleiner Stiftungen bleibt wohl weiter ungelöst. Oder vielleicht doch nicht?

   Jury ernennen und Preis kassieren - Zufall?   

Einen Hinweis gibt zuweilen ja auch die Zusammensetzung der Preisjury. Die Juroren des an den Dresdener Klinikleiter und - welch ein Zufall früheren ersten, jetzt zweiten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Heinz Reichelk verliehenen Dingebauer-Preises bestimmt - der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Erste Vorsitzende der DGN waren unter anderem G. Deuschl, Kiel (2007) - er bekam 2004 den Dingebauer-Preis, H. Reichmann, Dresden (2009), der in diesem Jahr den Preis erhält und W.H. Oertel, Marburg (seit 2011)., der sich den Preis 2004 mit Deuschl teilte.

Die persönlichen Verquickungen von Vorständen der DGN, die die Juroren für den Preis bestimmen, und den Preisträgern können rein zufällig sein - sie müssen es aber nicht.

Norbert Jos Maas


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